Ratgeber zum Thema:

Positive Wirkung von Bakterien bei Depressionen, Burn Outs und Leistungsverlust

Von Herbert Brandstetter

 

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Dr. Javier Bravo vom University College Cork kam nach einer Studie mit Milchsäurebakterien und Mäusen zur Erkenntnis, dass eine gestörte Darmflora eine Ursache für Angst, Depressionen, Leistungsverlust und Burn-outs sein kann. Diese neuen Erkenntnisse eröffnen neue Behandlungsmethoden und Therapieansätze.

 

Die positive Wirkung von Bakterien bei Depressionen, Burn-outs und Leistungsverlust

 

Heutzutage schlägt vielen Menschen beruflicher und privater Stress auf den Magen: Sei es, weil ein wichtiges Meeting ansteht, der Abgabetermin der Dissertation immer näher rückt oder sich für das Wochenende schlichtweg anstrengender Besuch angekündigt hat. Fakt ist, der Magen grummelt. Dann vertilgen manche Menschen bei Stress Unmengen von Süßigkeiten, um sich zu beruhigen und anderen schnürt es förmlich den Magen zu. Eine neue Studie hat nun gezeigt, dass probiotische Bakterien nicht nur die Verdauung des Menschen positiv beeinflussen, sondern auch direkt auf das Gehirn einwirken, denn dort werden durch sie Depressionen, Burn-outs, Leistungsverlust und Angstzustände abgemildert. Zu dieser Erkenntnis ist ein internationales Team aus Forschern rund um Javier Bravo gekommen, das zudem betont, dass frühere Untersuchungen zwar bereits gezeigt haben, dass Bakterien indirekte Effekte auf das Zentrale Nervensystem haben, eine direkte Wirkung nun aber erstmals nachgewiesen werden konnte.

Demzufolge können Depressionen und Angststörungen nicht nur im Gehirn ihren Ursprung haben, sondern auch im Darm. Hierauf lassen zumindest Versuche schließen, bei denen die Wissenschaftler die Hirnfunktionen von Mäusen analysiert haben, nachdem sie deren Darmflora modifiziert hatten. So zeigen Mäuse die über bestimmte Darmbakterien verfügen nicht nur einen atypischen Hirnstoffwechsel, sondern auch ein ängstlicheres oder mutigeres Verhalten.

Nun gehen die Forscher davon aus, dass Ähnliches für den Menschen gelten könnte, so dass eine spezielle Darmflora nicht nur das Verhalten beeinflusst, sondern zudem auch die Disposition zu psychischen Störungen wie Depressionen, Burn-outs oder Angstzuständen.

 

Erkrankungen des Darms gehen häufig mit Depressionen und Angstzuständen einher

Jeden Menschen bevölkern Myriaden von Mikroorganismen der unterschiedlichsten Art. Dabei leben sie vorrangig im menschlichen Darm, was zweifelsohne wichtig ist, denn ihnen kommt eine elementare Funktion zu. So hilft eine "gesunde" Darmflora dem Menschen bei der Verdauung, schützt ihn vor Infektionskrankheiten beispielsweise mit schädlichen Bakterien und sorgt für ein stabiles Immunsystem. Bis dato gibt es Hinweise darauf, dass eine gestörte Darmflora mit bestimmten Darmerkrankungen wie zum Beispiel dem Reizdarmsyndrom in Zusammenhang steht. Daneben ist bekannt, dass das sogenannte Reizdarmsyndrom oftmals mit psychischen Störungen, Burn-outs oder Angstzuständen einhergeht. Folgt man dem Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Stephen Collins von der McMaster University in Kanada, könnte eine ungünstige Zusammensetzung der Darmbakterien der Betroffenen die Ursache hierfür sein. Zu diesem Schluss kommen die Wissenschaftler seines Forscherteams, da sie im Rahmen einer Studie die Besiedlungsdichte und die Zusammensetzung der verschiedenen Darmbakterien bei den Versuchstieren durch die Verabreichung von Antibiotika änderten. Eine darauf folgende Analyse des Verhaltes der Mäuse zeigte charakteristische Modifikationen: Während einige Nager nach der Veränderung der Darmflora ängstlicher wurden, zeigten sich andere als weitaus waghalsiger.

 

Interessante Begleiterscheinung: ein veränderter Spiegel BDNF-Spiegel im Gehirn

Zudem zeigten die Analysen der Forscher, dass ein veränderter Spiegel des Botenstoffes BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor-Wachstumsfaktor BDFN) im Gehirn der Mäuse die Verhaltensänderungen begleitet. Bekannt ist bezüglich dieser Substanz bis dato, dass sie in einem Zusammenhang mit Angstzuständen, Burn-outs und Depressionen steht. Als die Wissenschaftler die Behandlung der Mäuse mit Antibiotika beendet hatten, kam es zu einer Erholung der Darmflora der Nager. Zeitgleich normalisierten sich auch ihre Hirnchemie sowie ihr Verhalten.

Um ihre Forschungsergebnisse zu stützen und zu belegen, dass bestimmte Bakterienstämme bei diesen Effekten eine entscheidende Rolle spielen, kolonisierten die Wissenschaftler den Darm der Versuchstiere mit den Bakterien von Artgenossen, die ein entgegengesetztes Verhaltensmuster aufwiesen. Hierdurch fanden sie heraus, dass die Versuchstiere, die zuvor ein aktives Verhalten an den Tag legten, durch Bakterien von passiven Artgenossen ruhiger sowie weniger aktiv wurden und vice versa.

 

Ist die Therapie von Verhaltensstörungen mit probiotischen Bakterien möglich?

Zweifelsohne, so Stephen Collins, liefern diese spannenden Untersuchungsergebnisse interessante Impulse für weitere Forschungen in Bezug auf die mikrobiellen Komponenten bei der Entstehung von Verhaltensstörungen. Zudem sei es möglich, dass künftig probiotische Bakterien sowie deren Produkte bei der Therapie von Verhaltenskrankheiten eine Rolle spielen.

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