Ratgeber zum Thema:

Wie wichtig ist die Bakterien-Erstbesiedelung für den menschlichen Körper?

Bereitgestellt von HERBERT BRANDSTETTER

 

Darmflora und Darm - ein erstaunliches Organ

Spricht man über den Darm und die Darmflora, erntet man sehr schnell verschämte bis amüsierte Blicke. Uns ist bereits von Kindesbeinen anerzogen worden, alles was mit dem Darm zu tun, ist "PFUI". Dabei, dessen sollte man sich bewusst sein, spielt gerade der Darm mit seiner (hoffentlich gesunden) Darmflora eine immens wichtige Rolle, geht es um die Gesundheit des gesamten Körpers und unser aller Wohlbefinden. Wer hat es nicht schon erlebt, wie schlapp man sich fühlt, wenn man unter Verdauungsproblemen oder Verstopfungen leidet. Und wer weiß nicht ein Lied davon zu singen, wie man sich fühlt, greift "Montezumas Rache" nach einem und hat man selbst Durchfall. Der Darm, dessen muss man sich klar sein, ist nicht nur wegen seiner Möglichkeit den Körper über die Ausscheidefunktion zu entgiften (über)lebenswichtig. Der Darm ist vielmehr das wichtigste und größte Immunorgan des ganzen Körpers und ein wesentlicher Faktor des körpereigenen Immunsystems. Ist der Darm oder die Darmflora in Unordnung oder uns Ungleichgewicht geraten, zieht nicht selten der gesamte Körper mit. Darum ist es an der Zeit, den Darm aus der "verschämten Ecke" zu holen und aufzuzeigen, dass der Körper als Gesamtheit nur dann reibungslos funktionieren kann, ist der Darmtrakt in Ordnung. 

Bakterien-Erstbesiedlung des Darm beginnt bereits mit der Geburt

Bereits kurze Zeit nach der menschlichen Geburt werden die Grundsteine dafür gelegt, ist die Darmflora gesund und intakt oder wird der Darm des neuen Erdenbürgers zu einem Problemfall, der möglicherweise Zeit Lebens für Kummer sorgt. DieErstbesiedlung der Darmflora mit Bakterien setzt bereits mit der Geburt ein und wird da vornehmlich über dieMilchsäurebakterien vorgenommen, die der vaginalen Flora der Mutter entstammen. Hierbei wird der Grundstein gelegt, um später eine Gesamtlänge von 6 bis 8 Meter Darm mit einer Gesamtoberfläche von rund 400 Quadratmetern zu erreichen. Nachdem über die Milchsäurebakterien der Vaginalflora die Erstbesiedlung vorgenommen wurde, entwickelt sich der Bereich kontinuierlich weiter, um später auf eine Zahl von 1014/1015 Keime zu gelangen, die in der Darmflora alle wichtigen Aufgaben übernehmen. 1.000 verschiedene Arten von Bakterien wirken in der Darmflora, die dadurch ein Gesamtgewicht von rund 700 Gramm erhält. 

Bakterien in der Darmflora - Billionen von Gesundheitshelfern

Der menschliche Darm stellt in seiner Gesamtheit - nicht nur wegen seiner Größe, die fast den Raum eines Tennisplatzes einnimmt - ein sehr umfangreiches Ökosystem im Körper dar. In diesem Ökosystem bilden Bakterien wie Enterokokken,Bifidobakterien oder Lactobazillen eine Symbiose mit dem Darm. Sie sind die unsichtbaren Helfer, die den Darm dabei unterstützen, seine Aufgaben im menschlichen Körper reibungslos und effizient auszuführen. Gerade darum ist es enorm wichtig, dass die Erstbesiedlung an Bakterien im Darm erfolgreich verläuft. Doch wieso ist die Erstbesiedlung so wichtig?

Mikrobielle Grenzstation: Der Darm schützt vor pathogenen (schädlichen) Bakterien

Nur wenn die Darmflora intakt und gesund ist, können die Darmbakterien an der Darmschleimhaut ihre Schutzfunktion wahrnehmen, die den menschlichen Körper vor schädlichen Keimen schützt - es wird verhindert, dass pathogene Keime sich im Darm anhaften. Durch den Milchsäureanteil, dessen Grundstein über den Mutterleib gelegt wird, ist der pH-Wert im Darm "sauer". Nur das saure Umfeld hält die schädlichen Keime davon ab, sich anzusiedeln. Kurzkettige Fettsäuren, Wasserstoffperoxid, Schwefelwasserstoff und Substanzen, die Antibiotika ähneln, wirken bakterientötend und das bevor pathogene Keime wachsen können. 

Der Darm als Energielieferant

Nährstoffe, die der Mensch über die Nahrung zu sich nimmt, werden in der intakten Darmflora aufgespalten. Darüber wird die Schleimhaut des Dickdarms mit Energie versorgt und sorgt dafür, dass der Darm mobil bleibt, die Verdauung fördert. Doch damit nicht genug, denn der menschliche Körper verfügt in der Darmflora über reichlich Bakterien, die dazu gedacht sind, lebenswichtige Vitamine für den Körper zu bilden. Vitamin K beispielsweise, Vitamin B12, Folsäure oder Pantothensäure gehören dazu. Stoffe, die wichtig für den Körper sind. 

Doch auch das Immunsystem ist Nutznießer einer gesunden Darmflora. Über den Darm werden Abwehrreaktionen gesteuert, um Krankheitserreger rechtzeitig zu eliminieren, bevor sie im Körper nachhaltigen Schaden anrichten können. Dadurch, dass der Darm eng mit Blutsystem und den Lymphen verbunden ist, bildet die gesunde Darmflora eine Art Barriere gegen eindringende Keime, die sich ansiedeln wollen. Der Körper wird über den Darm mit lebenswichtigen Antikörpern versorgt und Teile dieser Wechselwirkungen sind bis heute noch nicht vollständig erforscht - auch wenn bekannt ist, ist der Darm gesund, ist der Mensch in der Regel auch gesund.

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